31. Mai 2011
Schachtelbau in die Erde
Es zischt, raucht und macht ordentlich Krach auf dem Berliner Platz. Große Baugeräte und Bagger bewegen sich in dem Baufeld. Arbeiter in orangefarbenen Westen waten durch Schlamm, Spundwände umranden das Gelände. Doch im Gegensatz zum Bau eines Gebäudes ist das, was beispielsweise auf dem Berliner Platz, genauer gesagt, unter dem Berliner Platz im Bereich der künftigen unterirdischen Haltestelle Kronenplatz entsteht, nicht zu sehen. Uwe Konrath, Prokurist der Karlsruher Schieneninfrastrukturgesellschaft (KASIG), bedauert dies fast schon ein wenig: „Wir haben den Nachteil, dass man eben nicht sieht, was wir bauen“. Noch nicht jedenfalls.
Denn: Derzeit werden auf den verschiedenen Baufeldern der Kombilösung die so genannten „Schachteln“ aus Beton für die späteren Haltestellen erstellt. Hergestellt werden sie mit dem vielfach bewährten und häufig angewendeten Düsenstrahlverfahren. Mit bis zu 400 bar wird das Betongemisch in den Boden eingebracht. Dabei werden pro Minute etwa 500 Liter Flüssigkeit in eine Tiefe von rund 20 Metern gedüst.
Erstellt wird die Schachtel mittels vieler verschiedener Säulen mit einem Durchmesser von rund 1,20 Meter. Um diese Säulen zu erstellen, werden Bohrungen gemacht. Ist der Injektionskörper am tiefsten Punkt angelangt, wird der Düsenstrahl mit dem Gemisch zugeschaltet und das Gestänge mit geringer Geschwindigkeit zurückgezogen. Während des rotierenden Ziehens des Bohrgestänges entstehen die Düsenstrahl-Säulen.
Die Säulen werden so dicht zueinander gesetzt, so dass sie ineinander übergehen und am Ende des Arbeitsschrittes eine einzige große Fläche bilden. Sind alle Säulen erstellt, wird geprüft, ob die Fläche auch tatsächlich dicht ist. Dringt zu viel Grundwasser ein, wird noch einmal „nachgedüst“.
Ist die Prüfung erfolgreich verlaufen, wird noch einmal ein Aushub der Erde von rund anderthalb bis zwei Metern auf der Fläche der späteren unterirdischen Haltestelle vorgenommen. Im Anschluss erhält die „Schachtel“ ihren Deckel, der dann die Bauarbeiten auf der Südseite des Berliner Platzes zunächst einmal abschließen wird.
Die Baustelle wird dann auf die Nordseite wandern. Dort wird im gleichen Bauverfahren ebenfalls eine „Schachtel“ erstellt, innerhalb derer später die Haltestelle ausgebaut werden kann. Auch auf anderen Baufeldern wird so vorgegangen.
Der Vorteil dieses Verfahrens: Die Schachtel muss nicht ausgebaggert werden, denn der enorme Druck verdrängt das vorhandene Erdreich, das in Karlsruhe vor allem aus Kies und Sand besteht. Insgesamt entsteht bei dem Verfahren die anderthalbfache Menge der vorhandenen Masse, die dann abtransportiert wird und andernorts wieder als Baumaterial eingesetzt werden könnte. Der kiesig-sandige Boden eignet sich dafür optimal.
Schließlich wird dann per Tunnelvortrieb begonnen, die U-Bahn-Röhre unter der Fußgängerzone zu bauen, die 2015 fertig sein wird. Auch dabei wird viel Erdreich anfallen, das vom Durlacher Tor – dem Ausgangspunkt des Tunnelvortriebs – abtransportiert werden muss. Die Feinplanung dazu ist zwar noch nicht abgeschlossen. Um die Lkw-Fahrten rund um diese Baustelle zu minimieren, gibt es allerdings die Idee, das Erdreich auf der Schiene abzutransportieren.