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Was bringt die Kombilösung? Wie hoch sind die Kosten? Was passiert während der Bauarbeiten in der Fußgängerzone? Für alle, die mehr wissen wollen: Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur Kombilösung.

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Was ist die Kombilösung?

Die 2002 durch einen Bürgerentscheid beschlossene Kombilösung besteht aus zwei Einzelprojekten, die nicht voneinander zu trennen sind: einem 2,4 km langen Straßenbahn-Tunnel unter der Kaiserstraße mit einem 1 km langen Südabzweig in der Ettlinger Straße und dem Umbau der Kriegsstraße mit einem 1,4 km langen Straßentunnel sowie einer neuen Straßenbahntrasse über diesem Tunnel.

Was ist Ziel der Kombilösung?

Die Vielzahl der Bahnen, die Fußgänger sowie der querende Autoverkehr machen die Kaiserstraße zu einem Nadelöhr. Die Verlegung der Bahnen in einen Tunnel bringt für alle Beteiligten eine deutliche Entlastung. Die Kaiserstraße zwischen Europa- und Kronenplatz sowie der Marktplatz werden zu einer echten Fußgängerzone ohne Schienen und Bahnen. Die neue Kriegsstraßen-Trasse erweitert das Karlsruher Schienennetz und schafft damit auch die Grundlage für die gewünschte Süderweiterung der Innenstadt.

Wer gewinnt durch die Kombilösung?

Vom Bau der Kombilösung profitieren alle Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Wirtschaft in Karlsruhe und der Region. Einerseits kommen die Bahnen in der Kaiserstraße schneller voran und steigern die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs. Mehr Menschen werden mit der Bahn fahren und damit einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Andererseits sichert der Bau zahlreiche Arbeitsplätze. Möglich wird dies durch die umfangreichen Fördermittel von Bund und Land, die in die heimische Wirtschaft und damit zu den Menschen hier vor Ort fließen.

Wurde eigentlich auch von unabhängiger Seite geprüft, ob das Projekt sinnvoll ist?

Ja, im Rahmen der so genannten standardisierten Bewertung wurde der Nutzen-Kosten-Indikator untersucht – ein volkswirtschaftliches Maß, um die Wirtschaftlichkeit eines Projekts zu beschreiben. Dieser Indikator liegt bei 1,2. Deshalb ist eine Förderung durch Bund und Land überhaupt möglich. Obwohl Ende 2008 eine neue Kostenkalkulation erfolgte, ergibt sich unter Berücksichtigung beispielsweise der höheren Treibstoffpreise ein höherer Nutzen für diese Investition in den öffentlichen Personennahverkehr und damit weiterhin ein abgesichertes Nutzen-Kosten-Verhältnis.

Kann auch nur ein Teil des Gesamtprojekts umgesetzt werden?

Nein, nur mit der Kombination von Straßenbahntunnel in der Kaiserstraße und Autotunnel in der Kriegsstraße erhält die Stadt die Zuschüsse von Bund und Land.

Der Umbau der Kriegsstraße stand unter einem Vorbehalt. Was bedeutet das?

Weil mit dem Bau des Kriegsstraßen-Tunnels ursprünglich erst 2015 begonnen werden sollte und sich die Verkehrssituation bis dahin verändert hätte, hatten die Zuschussgeber zunächst einen weiteren Nachweis zur verkehrlichen Notwendigkeit des Autotunnels gefordert. Das Gutachten zum künftigen Verkehrsaufkommen in der Kriegsstraße ist inzwischen vorgelegt, der Vorbehalt besteht nicht mehr.

Wie sehen die Haltestellen aus?

Sie werden hell und sehr großzügig gestaltet sein. Grundlage sind neueste Erkenntnisse der Sicherheitsbelange und moderne Anforderungen an die Aufenthaltsqualität. Ein spezielles Lichtkonzept sorgt ebenso wie die harmonische Wand-, Boden- und Deckengestaltung für eine angenehme Atmosphäre.

Wie werden die unterirdischen Haltestellen erreichbar sein?

Jeder unterirdische Bahnsteig hat mindestens einen Aufzug, dazu kommen Fahrtreppen und normale Treppen. Im Vergleich zu anderen Städten liegen die Haltestellen sehr nah an der Oberfläche, so dass die Wege zu den barrierefreien Bahnsteigen relativ kurz sind. Menschen mit eingeschränkter Mobilität können dann sowohl die Tram-Niederflurfahrzeuge als auch Stadtbahn-Mittelflurfahrzeuge ohne fremde Hilfe benutzen.

Sind unterirdische Haltestellen unsicherer und schmutziger als oberirdische?

Die hellen Haltestellen sind mit Videoschutzanlagen und modernster Sicherheitstechnik ausgestattet. Im Gegensatz zu oberirdischen Haltestellen sind sie nicht Regen, Eis oder Schnee ausgesetzt, was zu ihrer Sauberkeit beiträgt. Ein Putzteam kümmert sich um die regelmäßige Reinigung. Wie bei allen unterirdischen Haltestellen herrscht ein Rauchverbot.

Wie wird das Thema Brandschutz bei den U-Haltestellen umgesetzt?

Brandschutz ist ein sehr wichtiges Thema für die Sicherheit auf den unterirdischen Haltestellen. Schon in der Phase der Vorplanung wurde deshalb ein brandschutztechnisches Gutachten bei der STUVA (Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen) in Auftrag gegeben. In enger Absprache mit der Branddirektion Karlsruhe wurden die notwendigen brandschutztechnischen Maßnahmen erarbeitet und festgelegt. Alles entspricht selbstverständlich den aktuellen Normen und Vorschriften.
Angewandte Grundprinzipien:

  • Die Haltestellen müssen zwei unabhängige Ausgänge erhalten.
  • Es ist zwischen Selbst- und Fremdrettungsphase zu unterscheiden. Während der Selbstrettungsphase ist eine raucharme Schicht zu gewährleisten, die nicht niedriger als 2,50 m sein darf. Die Dauer der Selbstrettungsphase muss mind. 15 Min. betragen.
  • Die Dauer der Selbstrettungsphase muss größer sein als die Zeitspanne bis die Haltestelle verraucht ist.
  • Die Treppenanlagen müssen als Fluchtwege ausreichend dimensioniert sein.
Was kostet die Kombilösung?

 

Kostenprognose 2021

Die aktuelle Kostenfortschreibung und Kostenprognose für das Jahr 2021 mit Stand Februar 2017 wurde auf Basis einer neuen Systematik der Ermittlung und Bewertung erstellt. Zum einen wurden die Kosten auf einer detaillierteren Kostenartenebene betrachtet und auf deren Grundlage fortgeschrieben. Dies war durch den höheren Fertigstellungsgrad der Bauabschnitte sowie dem bekannten Vergabeergebnis der Rohbauarbeiten beim Teilprojekt Kriegsstraße möglich. Zum anderen wurden die Kosten angesichts der breiteren Kostenbasis einer wesentlich umfangreicheren Risiko- und Chancenanalyse unterzogen. Diese breitere Kostenbasis bietet angesichts der darin enthaltenen vermehrten Unwägbarkeiten Risiken aber auch Chancen (z.B. aus der Gegenrechnung von Ansprüchen gegenüber Dritten), die buchhalterisch nicht erfasst werden können.

Für die Kostenprognose wurden die aus technischer Sicht auf derzeitigem Kenntnis- und Bau­stand zukünftig noch eventuell bis zur Fertigstellung anfallende Kostenpotentiale geschätzt. Dabei kommen sowohl geschätzte Mehrkosten für Entschädigungszahlungen, geänderte Brandschutzmaßnahmen, Leitungs- und Provisorienarbeiten, baubetriebliches Gutachten sowie ein Risikopuffer für weitere Nachträge zum Ansatz.

Bewertung und Risikoklassifizierung der Gesamtbaukosten ("Szenario B")

Die Kostengruppen wurden in die Risikoklassen I - bereits beauftragte und veranschlagte Kosten -, II - Kostenbestandteile, die dem Grunde nach wahrscheinlich, in der Höhe jedoch unsicher und damit mit einer Bewertung versehen sind -, und III - Kosten, die dem Grunde und/oder der Höhe nach so unbestimmt sind, dass der Ausweis nur auf Grundlage einer Schätzung möglich ist - eingeteilt. Demnach ergeben sich Ansätze in einer Höhe von 685,4 Millionen Euro Gesamtbaukosten Stadtbahntunnel Kaiserstraße mit Südabzweig, 214,2 Millionen Euro Gesamtbaukosten Stadtbahntrasse Kriegsstraße mit Straßentunnel und 899,2 Millionen Euro Gesamtbaukosten Kombilösung.

Bewertung der Gesamtbaukosten unter Chancen- und Risikogesichtspunkten ("Szenario C")

Eine andere Form der Darstellung ist die Betrachtung der Kostenpotentiale unter Hinzuziehung der Risiko- und Chancenpotentiale. Die Risikopotentiale wurden mit einem Wert von rund 186 Millionen Euro ermittelt. Diesen Risiken stehen Chancenpotentiale in Höhe von rund 107 Millionen Euro gegenüber. Nach dieser Vorgehensweise liegen die Gesamtbaukosten Stadtbahntunnel Kaiserstraße mit Südabzweig bei 735,3 Millionen Euro dar, die Gesamtbaukosten Stadtbahntrasse Kriegsstraße mit Straßentunnel bei 230,2 Millionen Euro und die Gesamtbaukosten Kombilösung bei 965,5 Millionen Euro.

Gesamte Herstellungskosten

In den gesamten Herstellungskosten sind neben den Gesamtbaukosten auch die Kosten für die Finanzierung, die Personal- und die Marketingkosten enthalten. Auf der Basis der Gesamtbaukosten nach "Szenario B" liegen sie bei 1.035,9 Millionen Euro, auf der Basis der Gesamtbaukosten nach "Szenario C" bei 1.086,6 Millionen Euro.

Eigenleistungen des Vorhabensträgers

Bei der Ermittlung des fortgeschriebenen Finanzierungsbedarfs unter Einbeziehung des "Szenario C" werden bei prognostizierten Gesamtbaukosten in Höhe von ca. 965,5 Millionen Euro die förderfähigen Kosten mit ca. 739,9 Millionen Euro in Ansatz gebracht. Hiervon entfallen verfahrenskonform 80 Prozent auf die Zuwendungsgeber Bund und Land. Der entsprechende Anteil des Vorhabenträgers mit 20 Prozent liegt hier demnach in einer Höhe von ca. 148,0 Millionen Euro. Hinzu kommen die in den Gesamtbaukosten enthaltenen nicht förderfähigen Kosten in einer Höhe von ca. 225,6 Millionen Euro. Der Eigenanteil nach GVFG beträgt demnach ca. 373,6 Millionen Euro. Mit den weiteren internen Kosten für Finanzierung, Personal und Marketing von ca. 121,1 Millionen Euro, die nach der Methodik des GVFG nicht Bestandteil des Antrags auf Bezuschussung sind - und daher auch in der Kostenschätzung 2004 nicht enthalten waren -, ermitteln sich die vom Vorhabensträger insgesamt zu finanzierenden Eigenleistungen aktuell in einer Höhe von rund 494,7 Millionen Euro.

Wer bezahlt die Kombilösung?

60% der zuwendungsfähigen Kosten werden vom Bund bezahlt, 20% steuert das Land Baden-Württemberg hinzu – beide tragen also 80%. Steigen die Kosten für die Kombilösung, steigen auch verbindlich die Anteile von Bund und Land. Die restlichen Kosten werden über die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (KASIG) aufgebracht. Dieses Geld wird im Rahmen des Konzernausgleichs über die Karlsruher Versorgungs-, Verkehrs- und Hafen GmbH (KVVH) bereitgestellt.

Wie wird die Kombilösung gebaut?

Der Straßenbahntunnel unter der Kaiserstraße wurde mit einer Tunnelbohrmaschine unterirdisch vorangetrieben. Der Bau des Südabzweigs erfolgte bis zum Ettlinger Tor klassisch bergmännisch und anschließend bis zur Werderstraße in offener Bauweise. Die Haltestellen in der Kaiserstraße wurden fast vollständig im laufenden Straßenbahnbetrieb gebaut: die erste Hälfte der Haltestelle auf der einen Seite der Kaiserstraße mit entsprechendem Schwenk der Gleise auf die andere Seite und umgekehrt. Im nächsten Schritt wurden die Gleise wieder in die Mitte gelegt, anschließend wurde die Tunnelbohrmaschine unterirdisch vom Durlacher Tor bis zum Mühlburger Tor zum Einsatz gebracht. Der Straßentunnel in der Kriegsstraße wird in offener Weise gebaut.

Wird alles gleichzeitig gebaut?

Die beiden Teilprojekte in der Kaiserstraße und in der Kriegsstraße werden im Wesentlichen nacheinander gebaut. Und auch innerhalb der Teilprojekte gibt es verschiedene Abschnitte, so dass sich die Beeinträchtigungen in Grenzen halten werden.

Welches der beiden Teilprojekte wird zuerst umgesetzt?

Der Karlsruher Gemeinderat hatte entschieden, zunächst den Straßenbahntunnel in der Kaiserstraße zu bauen und anschließend die Kriegsstraße. So verwandelt sich der Marktplatz etwa ab dem Jahr 2018 in eine echte Fußgängerzone, während in der Kaiserstraße ab Ende 2020 nur noch ein Drittel der Bahnen oberirdisch fahren – und auch das nur noch bis Ende 2021, dem Jahr, in dem die Kombilösung vollständig fertiggestellt sein wird.

Was passiert mit den Leitungen für Wasser, Strom und Gas, was ist mit dem Karlsruher Landgraben und der Pyramide?

Der Tunnel „unterfährt“ die Leitungen, die Kanäle und den Landgraben, der am Marktplatz den Südabzweig quert. Leitungen im Bereich der künftigen Haltestellen werden außerhalb des Baufeldes verlegt. Die Pyramide wird von den Bauarbeiten nicht tangiert.

Ist die Karlsruher Innenstadt zehn Jahre lang eine Baustelle?

Nein - nicht vollständig. Beeinträchtigungen für Anwohner, Einzelhandel und Fußgänger wird es geben. Für jeweils ungefähr zwei bis drei Jahre - im Einzelfall auch länger - ist dort, wo die unterirdischen Haltestellen gebaut werden, teilweise eine offene Baustelle zu sehen. Karlsruhe hat Erfahrung mit Baustellen ähnlicher Größenordnung, zum Beispiel beim Umbau der Postgalerie oder großer Kaufhäuser wie Karstadt und Breuninger.

Müssen Geschäfte wegen baubedingter Beeinträchtigungen schließen?

Ein umfangreiches Baustellenmarketing, eine kluge Baulogistik und das vorbeugende Entschädigungsmanagement verhindern eine baubedingte wirtschaftliche Gefährdung. Alle Geschäfte werden erreichbar sein. Lediglich beim Bau der Haltestellen können Bauphasen nicht ausgeschlossen werden, bei denen Geschäfte eingeschränkt zu erreichen sein werden.

Wo fahren die Stadt- und Straßenbahnen während der Bauzeit?

In der Kaiserstraße dort, wo sie schon immer fuhren – während unten die Tunnelbohrmaschine gearbeitet hat oder der Innenausbau vonstatten geht. Für einen Zeitraum von sieben Monaten wurde die östliche Kaiserstraße, für etwas mehr als drei Jahre der südliche Abschnitt vom Marktplatz in die Ettlinger Straße gesperrt.

 

 

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