Oben gut drauf.DIE KOMBILÖSUNG BEWEGT MICH

Corona-Virus stellt Kombilösung vor neue Herausforderungen / Oberbürgermeister Dr. Mentrup und Bürgermeisterin Lisbach sehen sich Baumpflanzung Kriegsstraße an

Erfreut von der ersten Baumpflanz-Aktion zeigten sich gestern Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup und Bürgermeisterin Bettina Lisbach.
Vorbereitet: Westlich vom Karlstor wird die Fußgängerhilfsbrücke bald auf die alten Rampenwände (links) gelegt.
Abbruch: Ein Bagger beseitigt die alten Rampenwände östlich vom Ettlinger Tor.
Feinschliff: Zwischen den Haltestellen Martktplatz und Lammstraße erhält der Terrazzo-Boden seine endgültige Form.
Glasklare Sache: Die Rauschutzverglasung wird in der Haltestelle Lammstraße montiert.

Die Ausbreitung des Corona-Virus macht auch vor den Arbeitern, Handwerkern und Ingenieuren nicht halt. Deshalb liegt aktuell der Fokus aller Beteiligten darauf, die Baustellen durch Optimierungen sowohl beim Innenausbau des Stadtbahn- und Straßenbahntunnels wie auch in der Kriegsstraße möglichst ungebremst weiter zu betreiben. In beiden Teilprojekten der Kombilösung laufen derzeit die Arbeiten – Arbeitsabläufe und die Zusammenstellung von Arbeitskolonnen werden jetzt beispielsweise tagesaktuell geregelt.

 

Erfreuliches gibt es von der endgültigen Gestaltung der Oberfläche Kriegsstraße: Zu Beginn der Woche wurden hier die ersten 18 Bäume im Rahmen des Umbaus der Kriegsstraße mit einer oberirdischen Straßenbahntrasse und einem darunter liegenden Autotunnel gepflanzt. Die Bäume sind Teil des vorgesehenen Kontingents von insgesamt 343 Bäumen. Ursprünglich war der Pflanz-Termin zum alljährlich auch in Karlsruhe gewürdigten „Tag des Baumes“ geplant, wurde dann wegen der Corona-Pandemie ausschließlich vom Gartenbauamt und einer Gartenbaufirma vollzogen. Gestern nun sahen sich Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup – zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (KASIG) – und Bürgermeisterin Bettina Lisbach den „Neustart“ der Kriegsstraße vor Ort an  - genau genommen in der Ludwig-Erhard-Allee auf der Nordseite. Der Oberbürgermeister wies auf die inzwischen bei der Kombilösung schon vielerorts deutlich erkennbaren positiven Veränderungen hin: „Die Innenstadt wird auch gestalterisch von der Kombilösung profitieren: Das noch vor 50 Jahren an der damals umgestalteten Kriegsstraße gepflegte Ideal von der autogerechten Innenstadt wird hier vollständig gedreht. Karlsruhe erhält eine oberirdisch lebenswerte Ost-West-Achse mit Straßenbahnen und sehr viel Grün, der Autoverkehr spielt sich zu einem erheblichen Teil unter der Erde ab. Fußgänger und Radfahrer haben den Platz, den sie benötigen.“ Die Bäume werden ab dem Frühjahr 2022 – erst nach Fertigstellung der Straßen- und Gleisbauarbeiten ist die letzte Pflanzzeit – nahezu durchgängig die vier Baumreihen bilden, die die Kriegsstraße zum innerstädtischen Boulevard werden lassen. Zwei Baumreihen stehen jeweils an den äußeren Rändern der oberirdischen Fahrbahnen, die zwei anderen rechts und links der in der „neuen“ Kriegsstraße mittig verlaufenden Gleistrasse. In insgesamt fünf Aktionen, die in Absprache mit dem Gartenbauamt Karlsruhe jeweils im Frühjahr und Herbst angesetzt sind, werden jeweils bis zu 180 Bäume eingesetzt. Fünf Baumarten werden die Kriegsstraße grüner machen: Neben den bereits gepflanzten 18 noch weitere Winterlinden, Silberlinden, Dreizahn-Ahorn, Platanen und Paulownien. Insgesamt werden 41 Winterlinden, 198 Silberlinden, 83 Dreizahn-Ahorn, elf Platanen und 10 Paulownien gesetzt.

 

Bei den Bauarbeiten am Karlstor beim Umbau der Kriegsstraße stehen die Nahziele fest: Am Donnerstag nach Ostern (16. April) werden die Hilfsbrücken für die Fußgänger von einem Kran eingehoben, die die jetzige und auch künftige Rampe des Autotunnels unter der Kriegsstraße überspannen. Westlich des Karlstors können Fußgänger ab 31. März die Kreuzung der Karlstraße mit der Kriegsstraße queren. Autos ist diese Möglichkeit bereits zuvor – nämlich ab Dienstag (31. März) nächster Woche - komplett genommen: Dann werden nämlich die motorisierten Verkehrsteilnehmer weder von Süden nach Norden noch von Norden nach Süden entlang der Karlstraße über die Kriegsstraße fahren können.

 

Doch auch Autos bietet sich eine naheliegende Möglichkeit: Mit der Möglichkeit, in der Kriegsstraße über die „Wender“ einerseits auf Höhe der Hirschstraße und andererseits auf Höhe der Ritterstraße um 180 Grad die Fahrtrichtung zu wechseln, lassen sich die angepeilten Ziele mit einem kleinen Umweg trotzdem erreichen.

 

Für die Tunnelbauer am Karlstor bedeutet die Sperrung des Autoverkehrs und die Umleitung des Fußgänger- und Radverkehrs, dass sie jetzt noch mehr in die Arbeiten einsteigen können. Bisher schon wurden in diesem Baufeld die ersten, bis zu 20 Meter tief ins Erdreich hinunterreichenden Bohrpfähle für den Baugrubenverbau angelegt. Diese Arbeiten werden jetzt dort fortgesetzt, wo bisher noch Autos fuhren. Am 20. April schließlich steht der vorläufig letzte große Schritt an: Dann wird das Karlstor auch für die Bahnen gesperrt, damit an dieser Stelle dann mit der  Herstellung der Bohrpfähle und mit dem Abbruch der knapp mehr als 50 Jahre alten Unterführung begonnen werden kann. Von diesem Tag an fahren bis September keine Stadtbahnen oder Straßenbahnen zwischen den Haltestellen Europaplatz (Karlstraße) und Mathystraße (Karlstraße).

 

Auf der Ostseite des Baufelds W 1 zwischen Ritterstraße und Karlstor, ist neben der Endphase des Erdaushubs und dem Verankern des Baugrubenverbaus Ingenieurbau angesagt, da schon Tunnelaußenwände und die Mittelwand hergestellt werden.

 

Ebenfalls Ingenieurbau – aber schon seit Wochen – steht weiter östlich in den Baufeldern W 3 und W 4 zwischen Lammstraße und Ettlinger Tor auf dem Programm: Der Tunnelrohbau wächst beinahe täglich in die Länge und in die Höhe, an dieser Stelle jedoch auch in die Breite: In diesem Baufeldabschnitt entsteht auch die künftige Betriebszentrale mit der Steuerungstechnik für den Autotunnel sowie die unterirdische Zufahrt in das Parkhaus des Einkaufszentrums und darüber hinaus auch noch die Rampen, die  auf der Nordseite der Kriegsstraße von oben nach unten führen und auf der Südseite von unten nach oben.

 

Noch weiter östlich jenseits des Ettlinger Tors anschließenden Baufeld O 5 wird die Baugrube durch das Ausheben des Erdreichs immer tiefer. Anker werden gebohrt, der alte Trog und die alten Wände der früheren Straßenunterführung werden abgebrochen.

 

Und noch ein Stück östlich, zwischen Staatstheater und Mendelssohnplatz in den Baufeldern O 4 und O 3 ist ebenfalls Ingenieurbau zu sehen: Nur noch in einem kleinen Bereich wird hier Erdaushub bewältigt, wird aber auch schon das Planum als Grundlage für die Bewehrung der Sohlen angelegt oder noch Spritzbeton auf die Wände des Baugrubenverbaus aufgetragen.

 

„Unten“ im schon hergestellten Rohbautunnel in den Baufeldern O 1 und O 2 – das sind die Rampen in der Ludwig-Erhard-Allee sowie der Tunnel zwischen der Einmündung der Kapellenstraße und dem Mendelssohnplatz – werden Schlitzrinnen für das Abwasser und Notgehwege angelegt. In den im Rohbau schon hergestellten Tunnel- und Rampenabschnitten der Baufelder O 1 und O 2 östlich vom Mendelssohnplatz wird „unten“ an der Tunnelausstattung gearbeitet. „Oben“ ist auf der Nordseite der Kriegsstraße zwischen Kapellenstraße und Mendelssohnplatz der Bau der endgültigen Fahrbahn, des Rad- und Gehwegs in Arbeit.

 

Beim Innenausbau des Stadtbahn- und Straßenbahntunnels unter der Kaiserstraße zwischen Gottesauer Platz und Mühlburger Tor mit dem Südabzweig vom Marktplatz in die Ettlinger Straße „steht“ mit dem Durlacher Tor jetzt die erste Haltestelle, in der sich kein Raumgerüst mehr befindet, weil die Arbeiten an der höher liegenden Verkleidung der Haltestellenwände und an der Haltestellendecke weitestgehend abgeschlossen sind. Entsprechend läuft hier die Montage der Seile für das so genannte Lichtgespinst – Drahtseile, die sich quer zur Haltestelle von Wand zu Wand spannen und in die Lichtelemente eingehängt werden. Sind diese Arbeiten abgeschlossen, kann auch mit den Arbeiten zur Montage der Oberleitung begonnen werden – die Befestigungen dafür sind schon angebracht. Dieser Vorgang wiederholt sich in dieser Reihenfolge von der Haltestelle Durlacher Tor aus zunächst nach Westen über die Haltestellen Kronenplatz, Lammstraße und Europaplatz und dann von der Haltestelle Marktplatz aus nach Süden durch die Haltestellen Ettlinger Tor und Kongresszentrum.

 

Dafür und auch für die Arbeiten in den Betriebsräumen und auf den Flächen, die später von den Fahrgästen benutzt werden, sind täglich Elektriker, Installateur, Maurer und Trockenbauer in den Haltestellen und den Tunnelabschnitten tätig.