Oben gut drauf.DIE KOMBILÖSUNG BEWEGT MICH

Die Tunnelröhre der Kombilösung unter der Kaiserstraße ist gebaut

Die Tunnelvortriebsmaschine "Giulia" ist nach neuneinhalb Monaten planmäßig am Ziel angekommen: Sie erreichte bereits am 7. September den Zielschacht westlich des Reiterdenkmals auf dem Kaiserplatz am Mühlburger Tor. Mit dem "Durchschlagsfest" am heutigen Donnerstag (17. September) feierten die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (KASIG) als Bauherrin sowie die Arge Stadtbahntunnel als Auftragnehmer das Ereignis wegen der sehr beengten Platzverhältnisse nur in einem kleinem Rahmen auf dem Kaiserplatz am Mühlburger Tor direkt neben dem Zielschacht, in dem Schneidrad und Schild von "Giulia" derzeit noch zu sehen sind. Zum "Durchschlagsfest" kamen neben dem Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, Staatssekretärin Dr. Gisela Splett vom Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg und Dipl.-Ing. Josef Arnold von der Bemo Tunnelling auch zahlreiche Vertreter der am Tunnelbau beteiligten Unternehmen, darunter Dr. Martin Herrenknecht, Vorstandsvorsitzender der Herrenknecht AG, Jiri Belohlav, Vorstandsvorsitzender der tschechischen Metrostav oder auch Jordi Ferrando, Europa-Direktor der spanischen Fomento de Construcciones y Contratas (FCC). Bund und Land bezuschussen die Kombilösung mit insgesamt 80 Prozent der förderfähigen Kosten.

Die Tunnelvortriebsmaschine hat auf ihrem 2.048 Meter langen Weg zwischen Durlacher Tor und Mühlburger Tor 1.024 Tunnelringe mit insgesamt 6.144 Tübbingen gebaut. 135.000 Kubikmeter Erdreich wurden unterirdisch abgebaut und über eine große Rohrleitung zum Durlacher Tor gepumpt. Das Erdreich wurde in der Region rechts und links des Rheins beispielsweise zum Aufschütten von Dämmen oder zum Auffüllen von tiefliegendem Gelände verwendet. Der Bau des nach der Tunnelpatin Gerlinde Hämmerle, der ehemaligen Regierungspräsidentin und Ehrenbürgerin von Karlsruhe, benannten "Gerlinde"-Tunnels unter der Kaiserstraße hatte mit dem Tunnelanstich am 18. November des vergangenen Jahres begonnen: Die 80 Meter lange und 1.300 Tonnen schwere Tunnelvortriebsmaschine des Herstellers Herrenknecht AG arbeitete sich nicht nur durch den Kies-Sand-Untergrund, sondern auch durch die bereits hergestellten unterirdischen Haltestellen Kronenplatz, Lammstraße und Europaplatz sowie durch das Gleisdreieck am Marktplatz. Auch hier wurden Tübbinge verbaut, die aber zu einem späteren Zeitpunkt wieder entfernt werden. "Giulia" war in Spitzenzeiten mit bis zu 32 Metern pro Tag teilweise zügig unter der Kaiserstraße unterwegs, musste aber auch aus verschiedenen Gründen wie Werkzeugwechsel oder nachgesacktem Erdreich Pausen einlegen. Insgesamt wurde die beim Start abgegebene Prognose, bis August oder September 2015 die Tunnelröhre gebaut zu haben, aber tatsächlich eingehalten.

Besonders bemerkenswert an dem jetzt abgeschlossenen maschinellen Tunnelvortrieb ist die geringe Überdeckung von Erdreich über der "Firste", also die Stärke des Erdreichs zwischen dem oberen Rand des Schneidrads und der Straßenoberfläche. Weltweit erstmals wurde in Karlsruhe mit einer Überdeckung gearbeitet, die mit 4,50 Meter bis 9,50 Meter teilweise nur der Hälfte des Schneidrad-Durchmessers von 9,32 Meter entspricht - "normal" sind Überdeckungen, die mindestens dem Schneidrad-Durchmesser entsprechen. Zudem wurden auf der gesamten beidseitig eng bebauten Kaiserstraße beim Tunnelvortrieb keinerlei nennenswerten Setzungen verzeichnet.

Mit dem Erreichen des Zielschachts ist der Tunnelbau unter der Kaiserstraße natürlich noch nicht beendet: In einem ersten Schritt werden Schneidrad und Schild von "Giulia" aus dem Zielschacht und nach dem Zurückziehen zum Durlacher Tor der Nachläufer aus der dortigen Haltestelle geborgen und demontiert zurück an den Hersteller geliefert. Danach beginnt der Aushub des Erdreichs aus den und der Abbruch der Tunnelringe in den Haltestellen sowie der Bau der Wände und Bodenplatten dort. Erst danach erfolgt die Ausrüstung der Tunnelröhre und der Haltestellen mit Gleisen, Haltestellen, Fahrleitung und Signaltechnik. Die Fahrgastzugänge erhalten schließlich auch noch Treppen, Fahrtreppen und Aufzüge. Die Inbetriebnahme des Stadtbahntunnels ist für Dezember 2018 vorgesehen.

Zahlen zu "Giulia"

Die "S 869" - so die Bezeichnung des Herstellers - hat mit Schneidrad, Schild, Brücke und Nachläufer eine Gesamtlänge von 80 Metern und ein Gewicht von 1.300 Tonnen. Das Schneidrad ist mit seinem Durchmesser von 9,32 Meter speziell auf den Tunnel unter der Kaiserstraße abgestimmt, durch dessen Röhre zwei Bahnen im Begegnungsverkehr fahren werden. 27 Schneidrollen - so genannte "Doppeldisken" -, 16 Räumer und 172 Schälmesser sorgten dafür, dass Meter um Meter Kies und Sand abgetragen werden. Mit insgesamt 1.210 Kilowatt Leistung aus 11 Elektromotoren hat sich die Tunnelvortriebsmaschine über 18 Vortriebszylinder unter der Fußgängerzone bei laufendem Betrieb der Stadtbahnen und Straßenbahnen 2.048 Meter nach Westen vorgeschoben, unter Leitungen und Kanälen durch und mitten durch die bis dahin hergestellten Rohbauhaltestellen und das Gleisdreieck am Marktplatz mit insgesamt acht Baugrubenwänden. 135.000 Kubikmeter Kies und Sand wurden mit Bentonit "verflüssigt" und über eine 40 Zentimeter dicke Rohrleitung zu Separieranlage am Durlacher Tor gepumpt, die die Flüssigkeit zurückgewonnen hat und wieder der TVM zuführte. Die Tunnelvortriebsmaschine bewegt sich auf ihrer Strecke mit ihrem Scheitel mindestens 4,50 Meter und höchstens 9,50 Meter unter dem Karlsruher Pflaster - und damit auch immer unter dem Grundwasserspiegel, der in einer Tiefe von etwa vier bis fünf Metern ansteht.

Unten gut voran.