Oben gut drauf.DIE KOMBILÖSUNG BEWEGT MICH

KASIG prüft Vergabe einzelner Maßnahmen an andere Unternehmen

Die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (KASIG) wird den Auftragnehmer für die Rohbauarbeiten für den Stadt- und Straßenbahntunnel unter der Kaiserstraße mit dem Südabzweig in die Ettlinger Straße, die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Stadtbahntunnel, erheblich stärker in die Pflicht nehmen und Handlungsoptionen mit dem Ziel prüfen, einzelne Bestandteile des Rohbauvolumens an weitere Unternehmen zu vergeben. „Ich bin mit dem Fortschritt der Arbeiten nicht zufrieden, denn an drei von fünf Baustellen liegt der Auftragnehmer trotz mehrfacher Ermahnungen durch uns deutlich hinter dem Plan, für dessen pünktliche Umsetzung er durch den Zuschlag bei der Ausschreibung die Verantwortung übernommen hat“, sagt Dr. Walter Casazza, Geschäftsführer der KASIG.

„Die Bürger und Besucher der Stadt bringen sehr viel Geduld auf. Wir wissen, dass diese Geduld nicht unendlich ist und stehen in der Pflicht, jetzt nicht mehr nur mit klaren Worten, sondern nun auch mit Taten die Erfüllung des Vertrages durch die für die Baudurchführung Verantwortlichen einzufordern“, wird Casazza deutlich. Hierdurch soll erreicht werden, dass der Baufortschritt, der nicht mehr den Planungen und dem Bauvertrag entspricht und dadurch das gesamte innerstädtische Leben länger als vorgesehen beeinträchtigt, wieder beschleunigt werden kann. „Wir werden unser Versprechen, die Beeinträchtigungen durch den Bau der Kombilösung erträglich zu gestalten, einlösen. Eine korrekte Bauausführung und das Einhalten des Zeitplans insbesondere das effektive Nutzen der täglichen Bauzeiten gehören zu den Eckpunkten dieses Versprechens. Das sollten eigentlich alle Beteiligten wissen“, betont Casazza. Der Aufsichtsrat der KASIG hat in seiner jüngsten Sitzung ausdrücklich dieses Vorgehen befürwortet und der Geschäftsleitung seine volle Unterstützung bei der Umsetzung des Vorhabens zugesichert.

Die Verzögerungen liegen an der Baustelle der künftigen unterirdischen Haltestelle Lammstraße derzeit bei etwa zwölf Monaten, die Arbeiten an der künftigen unterirdischen Haltestelle Europaplatz liegen um zehn Monate und jene am Kronenplatz um acht Monate hinter dem Bauzeitenplan zurück.

Am 18. Februar 2010 hatte nach einem streng reglementierten europaweiten Ausschreibungsverfahren die Bietergemeinschaft der Unternehmen Alpine Bau Deutschland AG, Beton- und Monierbau GmbH (BEMO), Universale Grund- und Sonderbau (GSB) und FCC Construccion den Zuschlag für die Rohbauarbeiten für den Stadt- und Straßenbahntunnel unter der Kaiserstraße mit dem Südabzweig in die Ettlinger Straße aufgrund des wirtschaftlichsten Angebots erhalten. Mit der Arbeitsgemeinschaft Stadtbahntunnel steht die KASIG in einem anstrengenden stetigen Austausch in der bauvertraglichen Auslegung zur Umsetzung der Gesamtbaumaßnahme.

Wegen der eingetretenen Verzögerungen wird sich die ursprünglich geplante Inbetriebnahme des Stadt- und Straßenbahntunnels im Jahr 2016 in das Jahr 2017 verschieben. Mit der Fertigstellung des Gesamtprojekts mit dem Umbau der Kriegsstraße ist nach derzeitigem Stand aber wie geplant für das Jahr 2019 zu rechnen.

Grundsätzlich stehen sich bei der Optimierung des Bauzeitenplans verschiedene Interessen gegenüber: So kann mit gleichzeitigem Arbeiten an möglichst vielen einzelnen Baustellen einerseits eine Beschleunigung erreicht werden, andererseits steigen dadurch die Belastungen für die Bürger und die Verkehrsteilnehmer in der Stadt. Um diese Belastungen nicht weiter zu erhöhen, würde die KASIG darauf verzichten, noch mehr Bauflächen gleichzeitig in Betrieb zu nehmen. Stattdessen will die KASIG durch das Einbeziehen weiterer Unternehmen den Baufortschritt in den bereits bestehenden Baufeldern wieder steigern.

Von den einzelnen Baumaßnahmen im Rahmen der Kombilösung sind sehr viele andere Maßnahmen mit einer ebenfalls langen Planungszeit abhängig: Leitungen für Wasser, Gas, Strom und Telekommunikation müssen verlegt werden, Straßenbaumaßnahmen werden gezielt mit den Kombilösungsarbeiten abgestimmt.

Anfang nächsten Jahres steht der Wechsel der Baustellenseite von Süden nach Norden am Europaplatz an. In der ersten Hälfte 2012 wechselt dann auch die Baustelle an der künftigen unterirdischen Haltestelle Kronenplatz von der Nord- auf die Südseite, danach folgt die Baustelle Lammstraße, an der von der Süd- auf die Nordseite gewechselt wird.

Unabhängig von der weiteren Vorgehensweise werden sich durch den Mehraufwand im Rahmen der geplanten Arbeiten aber die Gesamtkosten für die Kombilösung erhöhen. Die Beseitigung von unerwarteten Bauwerksteilen im Untergrund sowie insbesondere die notwendige Änderung der Verfahrenstechnik bei der Sicherung der historischen Karstadt-Fassade an der künftigen unterirdischen Haltestelle Lammstraße tragen zur Kostenerhöhung bei. Auch Störungen im Planungs- und Bauablauf - etwa im Zusammenhang mit den zahlreichen und sehr komplexen Leitungsverlegungen - sowie verschiedene Nachtragsleistungen führen zu Mehrkosten. Nach derzeitigem Sachstand ergeben sich voraussichtliche Mehrkosten in Höhe von ca. 3,2 Millionen Euro. Darüber hinaus wurden von der ARGE Stadtbahntunnel weitere Kosten in Höhe von ca. 8,6 Millionen Euro vorgelegt, die von der KASIG jedoch noch plausibilisiert und geprüft werden müssen. Die aktuelle Kostenschätzung (September 2011) der KASIG geht damit von 640,9 Millionen Euro aus gegenüber der zuletzt im Oktober vergangenen Jahres publizierten Annahme von 637,7 Millionen Euro.

Unten gut voran.