Oben gut drauf.DIE KOMBILÖSUNG BEWEGT MICH

Tunnelvortriebsmaschine ist gestartet

Der Bau der zwei Kilometer langen Tunnelröhre unter der Karlsruher Kaiserstraße für den Stadtbahntunnel der Kombilösung hat mit dem heutigen Tunnelanstich begonnen: Seit den Morgenstunden des heutigen Dienstag (18. November) dreht sich das Schneidrad von "Giulia" - auf diesen Namen wurde die Tunnelvortriebsmaschine getauft - unablässig in den Karlsruher Untergrund in Richtung Westen.

Die 80 Meter lange und 1.300 Tonnen schwere Tunnelvortriebsmaschine des Herstellers Herrenknecht AG arbeitet sich zunächst vorsichtig durch den so genannten "Dichttopf" und anschließend durch die Schlitzwand der künftigen unterirdischen Haltestelle Durlacher Tor hindurch. Der Dichttopf - eine etwa ein Meter dicke Betonwand innen vor der Haltestellenwand - nimmt zunächst das Schneidrad mit einem Durchmesser von 9,32 Meter auf. Direkt dahinter folgt die Schlitzwand mit einer Dicke von etwa 1,20 Meter: Sie ist aus Stahlbeton, jedoch exakt in dem Bereich, den das Schneidrad durchbohrt, statt mit einer Stahlbewehrung mit einer Bewehrung aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GfK) ausgestattet, die unter der Einwirkung der Schneidradwerkzeuge bricht. Hinter der Schlitzwand warten schließlich noch etwa 15 Meter "Dichtblock": Der schon vor Monaten mit Zementinjektionen verfestigte Untergrund "erleichtert" beim Tunnelvortrieb den Übergang zwischen der Schlitzwand und dem Kies-Sand-Untergrund: Er dichtet die unterirdische Haltestelle gegen das außen anstehende Grundwasser nach hinten ab und überbrückt den Bereich bis zum Einbau des ersten Tübbing-Rings.

Erst nach Überwinden der Startphase erreicht die Tunnelvortriebsmaschine dann ihre vorgesehene durchschnittliche Leistung von acht bis zehn Meter Tunnelbau pro Tag. Ihr Ziel - der "Dichtblock" direkt westlich hinter dem Kaiser-Denkmal auf dem Kaiserplatz beim Mühlburger Tor - wird die Tunnelvortriebsmaschine etwa im August/September nächsten Jahres erreichen. Dort wird die Tunnelvortriebsmaschine aus der Zielgrube geborgen.

Zahlen zu "Giulia"

Die "S 869" - so die Bezeichnung des Herstellers - hat mit Schneidrad, Schild, Brücke und Nachläufer eine Gesamtlänge von 80 Metern und ein Gewicht von 1.300 Tonnen. Das Schneidrad ist mit seinem Durchmesser von 9,32 Meter speziell auf den Tunnel unter der Kaiserstraße abgestimmt, durch dessen Röhre zwei Bahnen im Begegnungsverkehr fahren werden. 27 Schneidrollen - so genannte "Doppeldisken" -, 16 Räumer und 172 Schälmesser sorgen dafür, dass Meter um Meter Kies und Sand abgetragen werden. Mit insgesamt 1.210 Kilowatt Leistung aus 11 Elektromotoren schiebt sich die Tunnelvortriebsmaschine über 18 Vortriebszylinder unter der Fußgängerzone bei laufendem Betrieb der Stadtbahnen und Straßenbahnen knapp 2.050 Meter nach Westen vor, unter Leitungen und Kanälen durch und mitten durch die bis dahin hergestellten Rohbauhaltestellen und das Gleisdreieck am Marktplatz mit insgesamt acht Baugrubenwänden. Kies und Sand werden mit Bentonit "verflüssigt" und über eine 40 Zentimeter dicke Rohrleitung zu einer Anlage am Durlacher Tor gepumpt, die die Flüssigkeit zurückgewinnt und wieder nach Westen der TVM zuführt. Die Tunnelvortriebsmaschine bewegt sich auf ihrer Strecke mit ihrem Scheitel mindestens 4,50 Meter und höchstens 9,50 Meter unter dem Karlsruher Pflaster - und damit auch immer unter dem Grundwasserspiegel, der in einer Tiefe von etwa drei Metern ansteht.

Hinter dem Schneidrad und dem Schild, eine Art Stahlröhre, in deren Schutz die Tunnelauskleidung eingebaut wird, folgt der Erektor: In diesem Bereich der TVM werden immer sechs Tübbinge aus Stahlbeton mit einem Einzelgewicht von bis zu sechs Tonnen zu einem Ring zusammengesetzt. Die aneinander gereihten Ringe ergeben schließlich die Tunnelröhre mit einem Innendurchmesser von 8,20 Meter.

Unten gut voran.