Oben gut drauf.DIE KOMBILÖSUNG BEWEGT MICH

Von Künstlerin Mona Breede gestalteteter Bauzaun der Kombilösung vor der Stadtkirche erzählt „Vom Wert der Arbeit“

Aus Gesprächen zwischen dem evangelischen Pfarramt der Alt- und Mittelstadtgemeinde - der Stadtkirche - und der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (KASIG) heraus entstand die Idee einen Bauzaun mit Fotomotiven zu gestalten. Dieser Bauzaun schmückt seit heute (18. Februar) die Südseite des Baufeldes, auf dem die künftige unterirdische Haltestelle Marktplatz der Kombilösung entsteht. Die fünf Plakate der in Karlsruhe lebenden Künstlerin und Fotografin Mona Breede erzählen "Vom Wert der Arbeit". Dazu hat Mona Breede Portraits von ganz verschiedenen Menschen bei ihrer täglichen Arbeit erstellt: Menschen, die in der Stadtkirche beschäftigt sind, aber auch von solchen, die an dem Tunnelprojekt in unmittelbarer Nähe zur Stadtkirche mitwirken. Grundidee war, die Einzelbilder in einem einheitlichen fotografischen Bilderfries zusammenzufassen.

"Die Kombilösung hat innerhalb weniger Wochen das Gesicht des Marktplatzes vollkommen verändert. Die Arbeit, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bauzaun ebenso wie innerhalb des Bauzauns geleistet wird, ist auf wenigen Metern zu einem einzigartigen Kunstwerk zusammengefasst worden", freut sich der Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup über die Gestaltung des Bauzauns gegenüber dem Rathaus. "Gerade an dieser Baustelle bietet sich wegen der unmittelbaren Nähe zur Stadtkirche ein christliches Motiv an: Den Wert der Arbeit unter diesem Aspekt zu betrachten, war für alle Beteiligtem von hohem Reiz", sagt KASIG-Geschäftsführer Uwe Konrath.

Dirk Keller, Pfarrer der Alt- und Mittelstadtgemeinde an der Stadtkirche und City-Pfarrer der evangelischen Kirche in Karlsruhe, sieht einerseits die Arbeit der evangelischen Gemeinde an der Stadtkirche durch die Baustelle beeinträchtigt. Darin liegt aber auch andererseits eine Chance für die Arbeit seiner Gemeinde: "Aus dem Angebot der KASIG für eine Bauzaungestaltung ist das Fotoprojekt "Vom Wert der Arbeit" entstanden und damit die Möglichkeit, die kirchliche Arbeit öffentlich zu zeigen." Bei dem kooperativen Konzept arbeiten kirchliche Mitarbeitende und auf der Baustelle Beschäftigte an einem großen Ganzen.

Die Fotoplakate an den Bauzäunen zeigen Menschen, die mit ihrer Arbeit verborgen oder öffentlich zum Gelingen des gemeinsamen Auftrags beitragen. So zeigt der kirchliche Teil des Bilderfrieses Reinigungskraft, Kirchendiener, Kirchenmusiker, Mitarbeitende der Kinder-Stadtkirche, Pfarrerin und Pfarrer, die in der Stadtkirche wirken und zusammen an einer großen Aufgabe arbeiten. Dieser Auftrag an einer großen Aufgabe und das verborgene und öffentliche Wirken der kirchlichen Mitarbeitenden ist die inhaltliche Brücke zum Werk der Arbeiter auf der Baustelle. "Was uns mit den Menschen draußen auf der Baustelle verbindet, ist die Arbeit an einem großen Ganzen und das Risiko, das so eine große Aufgabe mit sich bringt", so Pfarrer Dirk Keller. Die Fotogalerie erinnert mit ihren zwei Mal sechs Bildmotiven an die biblischen zwölf Jünger Jesu, die mit einem großen Auftrag in die Welt geschickt werden. Wo in der christlichen Kunst Jesus in der Mitte steht und die Jünger aussendet, da ist auf der Fotogalerie der Engel der Stadtkirche zu sehen mit dem biblischen Segenswort der behütenden Engeln. Die Arbeit am großen Ganzen in der Kirche und auf der Baustelle lebt von der Hoffnung auf gesegnetes Gelingen. Die künstlerische Zusammenarbeit mit der Fotografin Mona Breede ist für Dirk Keller ein Glücksfall: "Ich bin dankbar, dass wir ein künstlerisch wertvolles Fotowerk auf dem Bauzaun zeigen können".

Mona Breede ging bei der Gestaltung von ihrer Erfahrung aus, dass die Arbeitsumgebung den Menschen und seine Haltung, seine Mimik und seinen Ausdruck prägt: Sie zeigt deshalb die Personen eingebettet in ihr Arbeitsumfeld. Sie blicken den Betrachter direkt an und scheinen ihre Arbeit oder Tätigkeit für einen Moment unterbrochen zu haben. Unabhängig von ihrer hierarchischen Stellung in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft stehen die Menschen mit ihren Tätigkeiten gleichberechtigt nebeneinander. Mona Breede reflektiert über den Wert ihrer Arbeit, ihres künstlerischen Schaffens und stößt auf Fragen, die viele Menschen beschäftigen: Was für einen Wert hat unser tägliches Tun für uns? Welche Sinnhaftigkeit schreiben wir unserer Arbeit zu? Aber auch: Wie ist es um unseren Marktwert bestellt mit dem, was wir einmal gelernt haben? "Die Tätigkeit eines Eisenflechters, der bei Wind und Wetter auf den Baustellen agiert, ist eine andere als die einer Pfarrerin, welche täglich mit Menschen kommuniziert und eine kirchliche Botschaft zu vermitteln sucht. Der Begriff "Wert" als typisch deutsches Wort spiegelt diese vielfältigen Bedeutungen wieder: "Neben dem Sinn der Arbeit, ihrer Wertschätzung und Bedeutung, assoziieren wir damit auch die materielle Kompensation wie Vergütung, Bezahlung oder Lohn", sagt Mona Breede.

Mona Breede - Biografie

Die in Karlsruhe lebende Fotogafin und Künstlerin Mona Breede, 1968 in Kiel geboren, absolvierte zunächst eine Ausbildung zur Fotografin an der Bayerischen Staatslehranstalt für Fotografie in München. Danach studierte sie Grafik-Design und Fotografie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe bei Professor Gunter Rambow und Professor Thomas Struth. Seit vielen Jahren ist Mona Breede an Ausstellungen in nationalen und internationalen Museen, Kunstvereinen und Galerien beteiligt. Eine große internationale Einzelausstellung fand 2009 im Moscow Museum of Modern Art in Russland statt. Lehraufträge für Fotografie hatte sie u. a. an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe in Karlsruhe. Seit 2011 ist sie Dozentin am Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). 2013 erhielt sie den Hanna-Nagel-Preis, der im zweijährigen Rhythmus an eine zeitgenössische bildende Künstlerin aus dem Regierungsbezirk Karlsruhe verliehen wird.

Unten gut voran.