Oben gut drauf.DIE KOMBILÖSUNG BEWEGT MICH

Gleisbau und Straßenbau belegen das ganze Durlacher Tor

Fließt: Die Gleise am Durlacher Tor werden auf einen Fahrweg verlegt, der derzeit betoniert wird.(1)
Denk-Pflaster: Auf dem Kaiserplatz werden derzeit die 27 Gedenksteine für die 1849 hingerichteten Freiheitskämpfer verlegt.(2)
Läuft – noch - nicht: In der Haltestelle Durlacher Tor werden Rolltreppen montiert.(3)
Läuft: Der erste Tunnelabschnitt in der Kriegsstraße zwischen Ritterstraße (hinten) und Lammstraße ist im Rohbau fertig, drumherum fließt der Verkehr.(4)

Das Durlacher Tor steht in diesen heißen Wochen im Fokus: Der große Platz am östlichen Rand der Innenstadt, der wegen des Baus der Kombilösung schon sehr früh und dann immer mal wieder seine Gestalt als stark frequentierter Verkehrsknoten geändert hat, steht vor seiner Vollendung: Die bisherigen Umfahrungsgleise werden vom Schienennetz abgetrennt. Die bisher abschnittsweise neu verlegten Gleisen erhalten im Gegenzug ihren Anschluss ans Netz, so dass die Bahnen dann auf ihren endgültigen Trassen verkehren können: Aus der Kaiserstraße kommend nach Osten geradeaus in die Durlacher Allee und umgekehrt, und aus der Kaiserstraße kommend im Linksknick in Richtung Karl-Wilhelm-Platz und Haid-und-Neu-Straße und so auch umgekehrt. Gleichzeitig mit den Gleisbauern arbeiten die Straßenbauer: Denn auch hier werden schon abschnittsweise gebaute neue Straßenteilstücke in Betrieb genommen, weitere Stücke gebaut - jedoch alles so, dass der Verkehr von Autos, Radlern und Fußgängern weiterhin das Durlacher Tor passieren kann. Während die Gleisbauarbeiten noch in den Ferien beendet werden, dauern die Arbeiten an Straßen, Rad- und Gehwegen noch bis zum Jahresende an.

Östlich des Mühlburger Tors nimmt der Kaiserplatz immer mehr seine - alte - Gestalt an. Die Wege mit dem kleinteiligen Pflaster erstrecken sich schon fast vollständig um das Reiterstandbild herum. Östlich des Denkmals werden derzeit auf ein Zementfundament die Gedenksteine für die 27 erschossenen Freiheitskämpfer gesetzt, deren Aufstand unter dem Oberkommando des Prinzen von Preußen Wilhelm - des späteren deutschen Kaisers Wilhelm I. - 1849 niedergeschlagen wurde.

Stocken, Spachteln, Anstreichen, Montieren: Das sind die Tätigkeiten, die unsichtbar für den sommerlichen Alltag oben auf den Karlsruher Straßen und Plätzen derzeit unten in den sieben neuen unterirdischen Haltestellen und den Tunnelabschnitten am meisten gefragt sind. Der Innenausbau des Stadtbahn- und Straßenbahntunnels kennt viele verschiedene Gewerke - und alle werden nacheinander oder parallel zueinander in den kommenden Monaten und Jahren abgearbeitet.

Die Wände der Treppenabgänge und die Zwischenebenen für die Fahrgäste erhalten eine gegenüber dem vorhandenen glattflächigen Rohbaubeton raue Oberfläche. Von Hand werden mit einem speziellen Gerät die oberen zwei bis drei Millimeter des Betons abgearbeitet, so dass die lebendige Struktur von Sand und mehr oder weniger großen Kieselsteinen zum Vorschein kommt. Das Fachunternehmen ist derzeit in den Haltestellen Europaplatz, Lammstraße und Durlacher Tor mit dem Betonmeißel unterwegs.

Spachteln und Anstreichen verläuft in den Haltestellen weitestgehend "unsichtbar": Die für den künftigen Stadtbahn- und Straßenbahnbetrieb eingebauten Räume liegen auf und unter der Zwischenebene im Gleisdreieck oder unter den Treppenabgängen und Zwischenebenen der Haltestellen. Dort wird der Rohbau-Beton mit Mörtel geglättet, die Wände und die Böden hellweiß angestrichen und die Eingänge zunächst mit Bau-, später mit massiven Stahltüren versehen, während die Technik dahinter eingebaut wird. Maurer und Maler sind derzeit im Europaplatz und im Kronenplatz tätig.

Monteure schrauben auch bereits an zwei Aufzügen, die in die Haltestelle Durlacher Tor eingebaut wurden. Die Aufzugsanlage wurde vormontiert angeliefert und dann in die entsprechenden "Schächte "versenkt". Angeliefert und teilweise montiert wurden auch die beiden ersten Rolltreppen.

Wandgestaltung in einer ganz anderen Dimension als beim Stocken ist in den Haltestellen Durlacher Tor und Kongresszentrum zu beobachten. Auf die Wände der jeweils 100 Meter langen Bahnsteige wird die Unterkonstruktion aufgeschraubt, an der dann die Werksteine aus Beton eingehängt werden.

Rohbautätigkeiten sind dagegen kaum noch zu sehen: Nur noch im Ettlinger Tor werden einige wenige Innenwände und Treppenläufe betoniert, zudem noch die Bahnsteigkanten. Zum Rohbau gehört allerdings auch, dass die Wände und Tunnel "trocken" hinterlassen werden - ohne die bei Neubauten weit unter dem Grundwasserspiegel üblicherweise zunächst auftretenden feuchten Stellen im Beton. Aber auch hier ist "Land in Sicht": Die Arbeiter, die mit Kunstharz, Bohrern, Schläuchen und einer Injektionspumpe unterwegs waren, haben ihre Aufgabe größtenteils hinter sich.

In der Kriegsstraße ist von den angenehmen Temperaturen in unterirdischen Haltestellen und Tunnelabschnitten dagegen nichts zu spüren: Im Baufeld W 2 zwischen Ritterstraße und Lammstraße wird der letzte Abschnitt der Tunneldecke betoniert. Auch das "Loch" in der Tunneldecke, das wegen des auf der Sohle montierten Turmdrehkrans offen war, wird nach der Demontage des Krans verschlossen. Die letzten Abschnitte des Tunnels in diesem Baufeld werden verfüllt.

Im Baufeld W 3 zwischen Lammstraße und Ettlinger Tor wird der Tunnelbau allmählich konkret: Zwar sind noch Arbeiten zur Kampfmittelsondierung und zum Leitungsrückbau angesetzt, doch werden eben auch schon Bohrschablonen hergestellt, die die Lage der Bohrpfähle vorgeben. Die Bohrpfahlwand wiederum bildet hier die Absicherung der Baugrube nach außen und gleichzeitig wie die an anderen Stellen in eine Schlitz- beziehungsweise Dichtwand eingesetzte Spundwand die nach außen liegende Schalung beim Bau der Tunnelwände. Zudem beginnen in diesem Abschnitt die Arbeiten zur Herstellung dieser Schlitz- bzw. Dichtwände.

In den Baufeldern O 3 und O 4 zwischen Ettlinger Tor und Adlerstraße wird einerseits die Sommerpause des Staatstheaters dazu genutzt, den südlichen Treppenabgang der früheren Fußgängerunterführung Kreuzstraße abzubrechen. Über viele Meter hinweg sind aber noch zwei Großbohrgeräte im Einsatz, um die bis zu 20 Meter ins Erdreich reichenden überschnittenen Bohrpfähle herzustellen. Im Baufeld O 4 neben dem Staatstheater wurde mit der Herstellung der sogenannten "Kragarme" begonnen. Ab Mitte des Monats werden auch im Baufeld O 3 zwischen der Meidingerstraße und der Adlerstraße die hier größeren "Kragarme" - massive Platten, unter denen die Arbeiter am Tunnel arbeiten während oben Autos fahren - hergestellt.

Im Bereich des Mendelssohnplatzes - dem Baufeld O 2 - sind auch Straßenbauarbeiter im Einsatz: Sie legen auf der Südseite die Fahrbahnen an für die Verlegung des Autoverkehrs während der Tunnelbauarbeiten.

Im Baufeld O 1 in der Ludwig-Erhard-Allee wird wegen der auch in diesem Abschnitt zu Ende gehenden Tunnel-Rohbauarbeiten der Turmdrehkran übermorgen (5. August) abgebaut. Dazu wird die nach Osten - also stadtauswärts - führende Fahrbahn der Ludwig-Erhard-Allee gesperrt. An der Einmündung der Kapellenstraße in die Kriegsstraße gehen die Arbeiten an der Umgestaltung des Kreuzungsbereichs weiter. Am Westende des Baufeldes O1, wo der Tunnel bereits wieder überschüttet ist, werden die Lücken im Netz einiger Versorgungsleitungen wieder geschlossen, um Provisorien an anderer Stelle außer Betrieb nehmen zu können bzw. für andere Versorgungsleitungen neue Provisorien hergestellt, um am Mendelssohnplatz Baufreiheit für den Straßentunnel zu schaffen.

Unten gut voran.